Wie stark drücken negative Börsenpreise den Marktwert Solar?
Der offizielle Marktwert Solar berücksichtigt positive und negative Spotmarktpreise vollständig. Beim bereinigten Marktwert Solar werden negative Day-Ahead-Preise dagegen mit 0 ct/kWh bewertet. Alle übrigen Preise und die zugrunde liegende deutschlandweite PV-Erzeugungsmenge bleiben unverändert.
Die Kennzahl zeigt isoliert, welchen Einfluss negative Preise auf den Marktwert Solar haben. Sie ist kein offizieller Marktwert der Übertragungsnetzbetreiber und keine individuelle Erlösprognose für eine einzelne PV-Anlage.
Offizieller Marktwert Solar: 1,317 ct/kWh – April 2026
Bereinigter Marktwert: 3,48 ct/kWh – negative Preise = 0
Unterschied: +2,163 ct/kWh
PV-Menge bei negativen Preisen 50,2 % der deutschlandweiten PV-Erzeugung
Der Unterschied in einem Satz
OFFIZIELLER MARKTWERT SOLAR = Die PV-Erzeugung jeder Viertelstunde wird mit dem jeweiligen Spotmarktpreis bewertet. Positive, neutrale und negative Preise fließen vollständig in die Berechnung ein.
BEREINIGTER MARKTWERT SOLAR = Die Berechnung bleibt gleich. Lediglich negative Spotmarktpreise werden vor der Gewichtung auf 0 ct/kWh gesetzt. Die in diesen Stunden erzeugte PV-Menge bleibt im Nenner enthalten.
Warum das wichtig ist
Negative Preise treten häufig genau dann auf, wenn besonders viel Solarstrom erzeugt wird. Dadurch können vergleichsweise wenige Preisintervalle einen erheblichen Einfluss auf den monatlichen Marktwert Solar haben. Der bereinigte Wert macht diesen Effekt sichtbar und erleichtert den Vergleich von Marktwert- und Spotpreis-Abrechnungsmodellen.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Bei 1.000 MWh PV-Erzeugung entstehen in positiven Preisintervallen 30.000 Euro Erlös. Negative Preisintervalle verursachen zusätzlich −6.000 Euro. Der offizielle Marktwert beträgt damit 2,40 ct/kWh. Werden die negativen Erlöse auf null gesetzt, steigt der bereinigte Marktwert auf 3,00 ct/kWh.
OFFIZIELL: 2,40 ct/kWh
BEREINIGT: 3,00 ct/kWh
Wichtige Abgrenzung: Nicht mit dem Wert „auf eingespeiste Mengen (≥0 Cent/kWh)“ verwechseln
Manche Auswertungen teilen den positiven Börsenerlös nur durch die Strommenge, die in Preisintervallen von mindestens 0 ct/kWh eingespeist wurde. Die in negativen Preisintervallen erzeugte beziehungsweise abgeregelte Menge wird dabei aus dem Nenner entfernt. Dadurch entsteht rechnerisch ein deutlich höherer Durchschnittswert.
Dieser Wert kann zeigen, welchen durchschnittlichen Börsenpreis die tatsächlich eingespeiste Menge erzielt hat. Er eignet sich jedoch nicht, um den möglichen Mehrerlös durch die Vermeidung negativer Preise bezogen auf die gesamte PV-Erzeugungsmenge abzuschätzen. Deshalb bleibt beim bereinigten Marktwert Solar von DR Solar die gesamte PV-Menge im Nenner. In unseren Tabellen weisen wir den alternativen Wert separat als „auf eingespeiste Mengen (≥0 Cent/kWh)“ aus.
BEREINIGTER MARKTWERT
AUF ALLE MENGEN 3,00 ct/kWh
30.000 € ÷ 1.000 MWh
AUF EINGESPEISTE MENGEN (≥0 CENT/KWH) 4,29 ct/kWh
30.000 € ÷ 700 MWh
Der Unterschied von 1,29 ct/kWh ist kein zusätzlicher Mehrerlös. Er entsteht allein dadurch, dass beim zweiten Wert nur durch 700 MWh statt durch die gesamten 1.000 MWh geteilt wird.
Was die Kennzahl nicht ersetzt
Der bereinigte Marktwert bildet weder das individuelle Erzeugungsprofil einer einzelnen PV-Anlage noch Direktvermarktungsentgelte, Intraday-Handel, Ausgleichsenergie, § 51 EEG, Redispatch oder vertragliche Kompensationsregelungen ab. Für die tatsächliche Wirtschaftlichkeit bleibt deshalb die konkrete Abrechnungs- und Abregelungslogik des Direktvermarktungsvertrags entscheidend.
Wie behandelt Ihr Direktvermarktungsvertrag negative Preise?
Entscheidend ist nicht nur der Marktwert Solar, sondern wie Abregelung, Spotpreisabrechnung, Marktprämie und eingesparte negative Erlöse vertraglich verteilt werden.
Methodischer Bezug: Offizieller Marktwert Solar gemäß Anlage 1 zu § 23a EEG und den Veröffentlichungen der Übertragungsnetzbetreiber. Der bereinigte Marktwert Solar ist eine ergänzende Vergleichskennzahl von DR Solar.